Anders als bei Ballsportarten gibt es beim Schach hin und wieder besonders ausgeprägte Höhen und Tiefen. Wer es nicht glaubt, sollte öfter mal Schach Spielen; nur selten führt eine Fußballmannschaft 5:0 und verliert dann noch, aber auf dem Schachbrett kann ein einziger schlechter Zug den Verlauf einer Partie komplett auf den Kopf stellen. Das macht Partien in der Zeitnotphase zu Prüfsteinen für Herzpatienten, und es gibt auch den Mannschaftskämpfen eine besondere Würze.

Die erste Mannschaft hat diese Erfahrung in letzter Zeit mehrfach gemacht. Nach dem Abstieg aus der zweiten Bundesliga in der letzten Saison wäre mit derselben Mannschaft sicher der schnelle Wiederaufstieg möglich gewesen, aber durch personelle Abgänge ist die Mannschaft nun in der Oberliga in der genau passenden Spielklasse. Da diese Liga sehr ausgeglichen ist, bedeutet dies, dass die Ergebnisse der einzelnen Mannschaftskämpfe schwer vorherzusagen sind. In Fachkreisen erfreut es sich daher großer Beliebtheit, a posteriori die "Tagesform" als Erklärung anzuführen.

Zu Saisonbeginn mussten wir gleich zwei harte Rückschläge einstecken, gegen Neuberg und Erfurt wurde jeweils 2,5:5,5 verloren. Tagesform halt. Nach zwei Siegen gegen Stadtilm und Wiesbaden, die wir jeweils mit 4,5:3,5 einzig unserer Spielstärke zu verdanken hatten smile, landeten wir im "Niemandsland der Tabelle". Aber auch dies hat noch einiges zu bieten, wie die letzten drei Mannschaftskämpfe zeigen sollten.

Zunächst hatten wir Kassel zu Gast, die in der Tabelle als einziger Konkurent von Oberursel um den Aufstieg zu spielen schienen. Die Begegnung verloren wir zwar mit 3:5, aber so klar war es nicht. In einer Partie lehnte unser Spieler ein Remisangebot ab, um letztlich noch zu verlieren - hier hätte es einen Bonus für Ja-Sager gegeben - in einer anderen Partie wurde eine (komplizierte) Gewinnstellung in Zeitnot verloren. Letztlich hat Kassel aufgrund der gezeigten Leistung nicht unverdient gewonnen, aber wir wussten, dass mehr drin war und dass wir auch vorne mithalten können. Wenn es denn mal optimal läuft.

Die Doppelrunde 6/7 stellte dann besondere Motivationsanforderungen an den Mannschaftsführer. In Runde 6 ging es gegen Marburg, Mittelfeld wie wir, also nichts Besonderes, aber es waren viele unserer Spieler stark erkältet und auch die Ersatzspieler waren zum Großteil verhindert. Durch den unermüdlichen Einsatz des Mannschaftsführers traten wir immerhin mit sieben Spielern an und erreichten ein 4:4, das unter diesen Randbedingungen schon als besonderer Erfolg gewertet werden kann. Glückwunsch an die Mannschaft!

Noch besser wurde es in Runde 7 gegen Tabellenführer Oberursel, Wir konnten zwar mit acht Spielern antreten, aber den am Ende stehenden 5,5:2,5 Erfolg hätte wohl kein Orakel vorhergesagt. Und das muss hier gesagt werden: Man darf solch ein Ergebnis sicher nicht überbewerten, aber für die Mannschaft, für die mitfiebernden Ersatzspieler und für den ganzen Verein ist es eine echte Energiepille, die für den Rest der Saison bis in die Haarwurzeln motiviert. Und auch die Liga dürfte sich freuen, ist nun der Aufstiegskampf an der Tabellenspitze durch uns wieder spannend geworden. Die Kasseler können uns zum Dank gerne mal ein Bier spendieren.

War es die Spielstärke oder die Tagesform? Wir werden es wohl nie erfahren. Auf jeden Fall war es eine Überraschung!

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